Für das wöchenltiche Webmaster Friday Thema "Was ist die richtige Linkbuildung Strategie" möchte ich ein paar Anregungen über den Einsatz von bekannten Prozessverbesserungsmodellen oder Methoden geben.
Dabei haben aktuelle Verbesserungsmodelle wie die ISO 15504, als auch das Vorgehensmodell Scrum, oder auch PDAC letztendlich alle ein ähnliches Ziel: Aufstellung von Zielen, messen der Ergebnisse und Reagieren auf Abweichungen. Die einen etwas schneller und iterativ, die anderen etwas schwergewichtiger.
Damit erreicht man einen kontinuirlichen Kreislauf in einem Projekt, der einem eine gute Steuerung über Jobs bereitstellt. Auch bei einer - wie auch immer gearteten - Linkstrategie kann man sich diesen Ansatz zu Nutze machen und das Thema als Pojekt begreifen.
1. Ich setze mir mein Ziel
Es klingt ja so simpel, aber Hand auf Herz - wer kann jetzt genau innerhalb von 10 Sekunden sein Ziel für die Linkbuilding Strategie nennen? Die meisten werden jetzt beginnen zu überlegen, dann kommen vielleicht Aussagen wie "ich will möglichst viele Links". Gut und mit welcher Methodik, innerhalb welcher Zeit? Da hört es dann meistens auf oder aber die ersten Gegenfragen kommen, da es unklar ist.
Noch bevor man sich an die Fragestellung des richtigen Linkbuilding macht sollte man - vorzugsweise vor Installation der Internetseiten - sich mal seine Ziele der Webseite überlegen. Abhängig von seinen Zielen kann man sich dann auch später daran machen zu überlegen, wie man dieses linktechnisch umsetzen kann.
Ich möchte pro Woche 3-5 organische Links von Seiten generieren, die mindestens einen Page Rank von 4 haben.
Aha, das klingt doch schon mal fast nach einem Ziel, die einzige Frage ist vielleicht noch was damit erreicht werden soll und ob ich mir eine Projektgrenze dafür setzen möchte. Aber lassen wir es doch der Einfachheit halber bei diesem Ziel.
Dieser erste Punkt (das Ziel) wird praktisch oft gar nicht beachtet. Warum das so wichtig ist? Ich habe später keinerlei Möglichkeit zu sagen, ob ich mein Ziel erreicht habe oder wogegen ich messen soll, wenn ich das Ziel nicht kenne. Dann habe ich - um beim Beispiel zu bleiben - 2 Links in der Woche erreicht. Ist das nun gut? Wollte ich das? Ist es vielleicht doch zu wenig?
Das Ziel ist natürlich abhängig von den Internetseiten, die aufgesetzt werden sollen. Obiges Szenario gilt vielleicht für einen Blog wie diesen, aber bestimmt nicht für die Firmenseiten eines Weltkonzerns. Deswegen entsprechend wichtig festzuhalten, welches Ziel womit erreicht werden soll. Deshalb sollte auch schnell klar sein, es gibt nicht die richtige Linkstrategie. Sondern nur eine angepasste auf das jeweilige Projekt.
2. Ich habe mein Ziel und kann es messen
Wohl dem, der sein Ziel hat und auch das Instrument etwas zu messen hat. Messen tun viele Personen und ich denke mal so gut wie jeder Blogger hat schon mal etwas über seinen Blog gemessen. Wenn man jetzt fragt, wie misst du denn dein Ziel?
Dann kommt wahrscheinlich wie aus der Pistole geschossen: "ja ich nutze doch Google Analytics, damit kann ich alles machen".
Das ist zwar halb richtig, aber alle die kein Ziel haben, messen letztendlich nur irgendwas, was nicht wirklich klar ist. Daraus können sich dann im Laufe der Zeit Ziele ableiten, aber zunächst ist das einfach nur ziellos.
Das Messen sollte natürlich zielorientiert erfolgen und ganz klar an den Zielen aufgehängt sein. Auch die Frage nach dem richtigen Instrument muss man sich stellen. Eine Analysesoftware ist zwar gut, aber nicht alles. So kann es auch sein, dass man gewissen Kennzahlen, die sich nicht per Google Analytics oder Piwik messen lassen, einfach per Excelfile aufschreibt.
3. Ich habe gemessen, Abweichungen festgestellt und kann reagieren
Das ist die absolute Königsklasse. Wenn es schon jemand geschafft hat sich ein Ziel zu setzen und dann auch die aktuellen Daten messen kann, dann bleibt die Frage offen, was passiert denn wenn man das Ziel nicht erreicht?
Dann kann der Fall kann eigentlich nur auf zwei Wegen eintreten:
- Man hat sich verschätzt. Das Ziel war (aus mangelnder Erfahrung) so daneben, dass es unmöglich war dieses zu erreichen
- Man hat das Ziel aus Gründen nicht erreichen können, die sich aber erklären lassen. Faulheit, externe Einflüsse, etc.
Bei beiden Punkten ist es zunächst einmal wichtig diese zu kennen. Die Frage nach der Erfahrung wird sich schnell ergeben. Wenn ich monatlich meine Daten für den Blog auswerte und ein Gefühl bekomme, was Besucher wollen, wo diese herkommen, kann ich nach einigen Monaten schon sagen, was nächsten Monat realistisch ist.
Beim zweiten Punkt ist es wichtig das Problem zu lokalisieren und sich eine Abstellmaßnahme zu überlegen. Das ist zwar eigentlich trivial und erklärt sich von selber, wird aber oft nur zur Kenntnis genommen und nicht weiter betrachtet (wie auch bei vielen Projekten in der Wirtschaft).
Beim ersten Punkt, muss ich mein Ziel (realistisch) anpassen. Beim zweiten Punkt muss ich die Ursache des Problems abstellen und damit darauf aktiv reagieren. Das findet man auch in der Automotive SPICE verankert. Die folgende Grafik zeigt schön den Kreislauf von einer Planung und Ausführung, der folgenden Überprüfung sowie einer abschließenden Aktionsphase. Diese resultiert dann wieder in der Planung (mit neu gewonnen Erkenntnissen)
Ein Beispiel aus der Praxis bitte
Viel Theorie, doch was bedeutet das denn in der Praxis? Ich habe für mich bspw. obiges Ziel gesetzt. Für mich ist mein Ziel in der Woche an 3-5 Links zu kommen. Dabei denke ich (noch) nicht über Themen nach wie Page Rank der Seiten oder Qualität von Links nach. Mir geht es hier nur um den sozialen Aspekt der Blogs. Auch wenn ich bspw. einen No-follow Link erwische ist mir das unter den "sozialen Gesichtspunkten" erstmal egal. Für einige Spezialthemen in diesem Blog habe ich sehr gute Ergebnisse in Google, so dass es mir auch gar nicht primär um ein verbessertes Ranking dort geht.
Dabei nutze ich fast ausschließlich Trackbacks und Kommentare.
Am Ende der Woche (oder zu einem definierten Zeitpunkt) kann ich dann überprüfen, ob ich mein Ziel für diesen Zeitabschnitt erreicht habe. Das kann natürlich auf verschiedene Arten geschehen. Bei mir ist es bspw. die gute alte Excelliste, in der ich einige Kennzahlen festhalte und mir auch meine Kommentare und Trackbacks eintrage.
Und genau hier kann ich dann prüfen, wie steht es denn mit meinem Ziel? Habe ich alles geschafft? Kann ich meine 3-5 Links vorfinden oder nicht? Da das Ziel zugegeben sehr simpel ist, ist auch das Tracking über die Woche einfach. So sehe ich immer (einfachstes Abzählen) wo ich aktuell stehe. Meine Abweichungen sind sichtbar und ich kann reagieren.
Der Blog ist noch relativ frisch, deswegen ist das aktuell auch nur ein Ziel hinsichtlich des Linkaufbaus. Später wird das dementsprechend angepasst.
Wichtig bleibt doch letztendlich nur die Frage: "War ich denn erfolgreich mit dem Linkaufbau?". Wenn ich bei dieser Frage erst anfangen muss zu überlegen, wie bekomme ich das jetzt raus, ist die Antwort wohl eher nein.
Fazit
Die Frage nach der Vorgehensart findet sich nicht beschränkt auf bestimmte Themengebiete sondern ist eine allgemeine Frage, wie ich an Projekte herangehe. Sein Projekt (Linkaufbau) auch wirklich als solches zu verstehen, ist der erste richtige Schritt. Für den ein oder anderen Hobbyblogger mag das unwichtig erscheinen, sobald man aber ernsthafte Themen mit seinem Blog verfolgt, sollte man sich hier auch gute Strategien überlegen.
Was man nicht messen kann... ...kann man nicht kontrollieren
- ein vielzitierter Satz von Tom DeMarco schon aus der 80er Jahren. Er trifft das Thema ganz gut, in seinem Buch finden sich weitere Hinweise zu Themen rund um das Messen.
Ich hoffe ich konnte an der Stelle ein paar interessante Anregungen für euch hinsichtlich der Linkstrategie vorstellen, auch wenn es eher um die Projektsteuerung als solches geht.