Dokumentation bei Agile
Dokumentation und Agile sind nach wie vor Spannungspunkte. Die Aussage, dass agile Projekte nicht dokumentieren ist zum Glück rückläufig, trotzdem hören Sie diese Behauptung des öfteren. Weder das agile Manifest noch ein Anwender einer agilen Methode fordert keine Dokumentation
Wissen muss in einer bestimmten Art und Weise transportiert werden. Dazu wird die Dokumentation verwendet, um Aufgaben, Abläufe und weitere Zusammenhänge für Kunde, Projekt und Nachwelt bereitzustellen. Es hat sich durchgesetzt, dass Dokumentation immer der Schriftform genügen muss. Lesen kann schließlich fast jeder, warum also es nicht aufschreiben. Allerdings hat das Lesen auch einen Nachteil. Insbesondere dann, wenn das zu Lesende trocken und schwer verständlich ist, macht die niedergeschriebene Dokumentation keinen Spaß. Und bei Prozessen ist das meistens der Fall.
Ich denke aus dieser Bewegung heraus kommt die Aussage, dass Prozesse nur Dokumentation bedeuten. Das spüre ich gerade bei Prozessverbesserungsmodellen. Woher kommt der Glaube, dass bei Agile nichts dokumentiert wird? Ich meine das liegt daran, dass hier auch einfach andere Formen der Dokumentation ermöglicht werden. Ein Beispiel:
Zwei Entwickler machen ein Review. Der eine Entwickler prüft den Code mit dem anderen Entwickler und schlägt Verbesserungen vor. Beide diskutieren diese und setzen sinnvolles Verbesserungen um.
Auch diese Entwickler dokumentieren das in der Regel im Code oder an einer anderen Stelle in ihrer IDE. Jetzt ist die Dokumentation da, nur oft nicht so, wie sich so der ein oder andere QA-Mensch sich das vorstellt. Um die beiden Entwickler richtig zu demotivieren, lässt man diese das Vorgehen doppelt dokumentieren. Das steigert keine Motivation.
Vielmehr ist es wichtig, die Daten durch die Entwicklung so abzulegen, dass diese bspw. automatisiert extrahiert werden können. So etwas verträgt sich auch mit Prozessverbesserungsmodellen.
Ein anderes Beispiel. Stellen Sie sich vor, Sie müssten zehn Seiten eines Prozesses lesen. Das kann recht langweilig sein. Als Alternative steht Ihnen ein Video (hübsch und didaktisch wertvoll aufbereitet) zur Verfügung. Dieses benötigt zwei Minuten Ihrer Aufmerksamkeit und zeigt Ihnen alles wissenswerte des Prozesses. Für welches Verfahren würden Sie sich entscheiden? Die meisten Personen, die ich kenne und befragt habe, wählen das Video. Gerne wird dann in der Prozessdokumentation noch einmal nachgelesen. Ein Video (oder auch Screencast) stellt den ersten Anlauf dar und lehrt das Wichtigste in visueller Form. Gar als Art Comic aufbereitet, erreicht es mehr Sinne als ein Dokument.
Ich bin ein Freund von Dokumentation, aber bitte richtig auf die Zielgruppe und den Prozess angepasst!








