Erkennt man den SPICE Level einer Firma am Verhalten?
Ich hatte mich in letzter Zeit häufiger gefragt, ob man von dem generellen Vorgehen in einer Firma auf das Level schließen kann, welches die Firma in SPICE besitzt. Natürlich kann das nie eine definitive Aussage sein, aber ich habe mich nach einer gewissen Richtung umgeschaut. Dabei sind mir zwei Wege aufgefallen, die für mich immer wieder characteristisch erscheinen. Die folgenden Ideen sind lediglich Annahmen von mir und nicht mit eindeutigen Quellen oder Studien belegt. Ich stelle diese Annahmen einfach mal zu Diskussion.
Die Meeting- und Vorbereitungsmoral
Immer wieder findet man Beispiele, dass bei Firmen, die noch kein durchgängiges gemanagtes Level 2 haben, ein interessantes Verhalten bei Meetings vorherscht. So ist es oft zu beobachten, dass
- Personen zu spät kommen. Es ist scheinbar die Zeit nicht richtig geplant oder der Kalender richtig gelesen. Das ist mir bei Meetings aufgefallen, die sich so in der Größenordnung mehr als 5 Personen bewegen.
- Personen nicht vorbereitet sind. Das stelle ich sowohl bei einem 1:1 Meeting fest, als auch bei größeren Meetings. So scheint es, dass ein eingetragener und bestätigter Termin nicht als verbindlich angenommen wird, sondern immer wieder als wachsweich vernommen wird. Punkte die zu erledigen waren, werden nicht erbracht oder sind auch mal vergessen worden. Auch kommt es häufiger vor, dass das benutze Medium nicht ausreichend vorher geprüft worden ist. So funktioniert dann bspw. Netmeeting nicht, da man es erst zum Meetingstart probiert.
Mein bestes Erlebnis war mal ein Termin, der zu einer bestimmten Zeit angesetzt war. Der Kollege legte immer sehr viel Wert darauf, dass das Meeting statt fand. Der einzige, der aber so gut wie nie fertig war, war er. Noch faszinierender war eigentlich die Überzeugung von ihm, dass es richtig sei, jetzt auch noch sein Thema zu beenden. Die Fähigkeit zu planen spiegelt sich auch in den SPICE Level 2 wider.
Kommunikationswege
Wenn eine Firma die Einführung von Prozessen plant und diese umsetzen möchte, herrscht in der Regel noch ein ganz anderes Klima zu Beginn vor. Dabei ist das Verhalten sehr durch das Feuerwehrmanagement geprägt. Das bedeutet, dass hier nur dort eingegriffen wird, wo es brennt.
Bei dieser Art des Management ist es auch üblich, alles an sich zu reißen und durch “ich nehme das Ruder jetzt in die Hand”-Aktionen zu versuchen kritische Projekte wieder auf den rechten Pfad zu bringen. Dabei wird sich sehr oft über alles hinweg gesetzt, was es so gibt. Es spielt hier keine Rolle ob der Mitarbeiter dafür zuständig ist oder nicht, gerne wird direkt auf den Chef zugegriffen, oder parallel auf verschiedenen Fronten gekämpft. “Irgendeiner” wird schon umfallen und mir irgendwie die richtige Information beschaffen.
Gerade die Personen, die historisch schon das Feuerwehrmanagement mitgemacht haben, sind hier immer noch sehr stark an das damalige Verhalten angepasst.
Fazit
Dieses Verhalten kann man in meinen Augen öfters bei einem Level zwischen 0-2 erkennen. Level 2 ist dabei durchgängig noch nicht erreicht, es sind auch schon einige Prozesse besser als Level 0. Haben Sie ähnliche oder ganz andere Erfahrungen gemacht? Schreiben Sie mir doch einen Kommentar!
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Sehr guter Artikel, das mit den Meetings kenne ich nur zu gut :)