Ist das Assessment noch die richtige Wahl der Überprüfung?
Wer an einem Assessment teilgenommen hat, kann durchaus auf die Frage stoßen, ob das Assessment wirklich die richtige Wahl ist, ein Projekt auf seine Reife zu prüfen. Sicher nicht aus dem Grund, dass die Assessoren schlecht sind, sondern vielmehr, dass nur ein bestimmter Ausschnitt des Projektes unter ganz bestimmten Rahmenbedinungen gezeigt wird.
Assessments dienen dazu festzustellen, ob ein Unternehmen in einem oder mehreren Projekten die Prozesse richtig umgesetzt hat. Dafür gibt es verschiedene Modelle, ich beziehe mich hier auf die Automotive SPICE(R). Rahmenbedinungen sind das Stichwort und diese Rahmenbedingungen sind oft verwirrend und müssen genau betrachtet werden. Da hat ein Projekt plötzlich ein hohes Level bekommen und implizit wird angenommen, dass das Unternehmen gute Prozesse besitzt und ein anderer Kunde schimpft über die gleiche Organisation und kann die Bewertung nicht verstehen.
Assessments haben immer einen Scope. Dieser Scope definiert genau was in dem Assessment untersucht worden ist. Auf diesen – und nur diesen – Scope bezieht sich auch das Assessment-Ergebnis. Somit könnte rein theoretisch ein Projekt besonders gut sein, ein anderes schlechter. Auch die Argumentation, dass spätestens auf Level 3 generische Prozesse der Organisation betrachtet werden, sind zwar richtig, können aber durchaus – unter bestimmten Bedingungen – angepasst werden. So muss ein Standardprozess nicht für die ganze Firma gelten. Es könnten auch mehrere Standardprozesse für bestimmte Abteilungen / Geschäftsbereiche existieren. Wird es dem Assessor glaubhaft gemacht, dass diese Aufteilung Sinn macht und genug Hinweise vorhanden sind, ist es legitim.
In Indien ist ein hoher Reifegrad in Prozessverbesserungsmodellen ein gutes Steuersparmodell für Unternehmen. Natürlich ist dort das Interesse an hoher Prozessreife groß. Assessments von Herstellern können immer politisch motiviert sein, wenn es um eine Vergabe von Aufträgen an bestimmte Zulieferer geht. Ein Monopol eines Zuliefers lässt den Ansatz des Assessments fast schon lächerlich wirken. Weiß dieser von seiner Machtstellung und will nicht nach bestimmten Prozessen arbeiten, die der Hersteller will, kann er seine Marktposition ausspielen.
Da SPICE recht abstrakt in der Anwendung ist, lässt es den Unternehmen viel Spielraum, allerdings auch Assessoren. Neue Prozesse, Methoden oder Ansätze können es schwer haben, wenn Assessoren “ihre Sicht” gebildet haben.
Es lassen sich einige Szenarien durchspielen, die die Frage zulassen, ob ein Assessment das richtige Mittel ist um das Ziel einer klaren und objektiven Bewertung zu erreichen. Wie ist Ihre Meinung und Erfahrung mit Assessments? Schreiben Sie mir doch einen Kommentar!
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