SPICE: Abstraktion und konkrete Umsetzung
Bei SPICE existiert ein Unterschied zwischen einer groben Vorgabe durch das Modell selber (dem “was”) und der konkreten Umsetzung durch die Organisation (dem “wie”). Um diesen Zusammenhang konkret herauszuarbeiten, befasst sich dieser Artikel mit einem Beispiel aus dem Modell und praktischen Tipps. Anhand einer konkreten Base Practice aus Automotive SPICE wird der Unterschied erklärt.
Als Beispiel habe ich die Base Practice 1 aus dem Prozess SUP.9 ausgewählt. Diese lautet:
Develop a problem resolution management strategy. Develop a problem resolution management strategy, including problem resolution management activities and a life cycle model, responsibilities and resources for performing these activities.
Diese Aussage ist sehr abstrakt, aber das muss sie auch sein. Soll sie doch lediglich einen Rahmen vorgeben, indem Sie genug Platz für eigene, konkrete Umsetzungen haben. Hinzu kommt, dass SPICE die Umsetzung nicht zwangsläufig in einem Dokument fordert. Es ist Aufgabe des Assessor zu werten, ob diese Base Practice umgesetzt ist oder nicht. Auch wenn sich die Hinweise einer Strategie über mehrere Dokumente erstrecken, kann diese Form in Ordnung sein und genug Hinweise für die Erfüllung aufweisen. Zur erfolgreichen Umsetzung gehört also (frei übersetzt):
- Die Erstellung der Strategie
- Aktivitäten und Life Cycle Model
- Verantwortung und Ressourcen
So wird eine Strategie im Anhang von SPICE unter den WorkProduct Characteristics beschrieben und durch weitere Hilfestellungen deutlicher:
– Identifies what needs and objectives or goals there are to be satisfied
– Establishes the options and approach for satisfying the needs, objectives, or goals
– Establishes the evaluation criteria against which the strategic options are evaluated
– Identifies any constraints/risks and how these will be addressed
Wird in einem Assessment also eine konkrete Strategie eines Unternehmens betrachtet, hat diese zum Beispiel Angaben über das Ziel der Strategie zu enthalten. In den meisten Fällen tun das Dokumente in Firmen automatisch. So werden bspw. Templates für Dokumente erstellt, die bestimmte Angaben zum Ziel eines Dokuments schon enthalten.
Wenn Assessments durchführt werden, muss ein Blick in (bzw. über) die Dokumente erfolgen. Es ist nicht ausreichend sich ein Dokument mit dem Titel “Strategie” zeigen zu lassen. Wichtig ist der Inhalt, aber nicht im Sinne von der konkreten Umsetzung! Viel mehr ist es entscheidend, dass verstanden worden ist, was eine Strategie ist. Es müssen also die zentralen Merkmale einer Strategie vorhanden sein.
Identifiziert die Strategie Bedürfnisse und Ziele die erreicht werden sollen? Ist beschrieben, wie man diese Ziele und Bedürfnisse erreichen kann? Gibt es dazu Methoden? Wenn es dann noch Hinweise auf Bewertungsmöglichkeiten gibt und auch Randbedingungen und Risiken beschrieben sind, dann enthält das Dokument den richtigen Ansatz. Der konkrete Inhalt (also das wie) ist kein Bestandteil der Assessierung im Sinne von richtig oder falsch.
Mit den anderen Elementen der Base Practice 1 ist entsprechend umzugehen.
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