Peer Reviews

Die Macht von Peer Reviews wird häufig unterschätzt. Kennen Sie Aussagen wie “das lasse ich von meinen Kollegen noch mal ansehen, bevor ich Ihnen mein O.K. geben kann” oder “ich brauche noch eine Experten Meinung dazu”? Bei solchen alltäglichen Formulierungen kann es sich schon um ein Peer Review handeln. Dabei gibt es verschiedene Arten von Peer Reviews. Sie sind sehr gut geeignet, Fehler bereits zu zu identifizieren, bevor diese viel Geld kosten.

Manches mal komme ich mir fast komisch vor, wenn ich nach einem Peer Review frage. Da wird man komisch angesehen und auf Freigabe-Prozesse sowie Validierung verwiesen. Dabei sind Peer Reviews sehr einfach und auch kostengünstig, aber scheinbar fast vergessen.

Dabei ist es gar nichts besonderes, sich mit einem Kollegen über die geleistete Arbeit zu unterhalten. Eine kurze Erklärung an den Kollegen, warum man sich für diesen Weg entschieden hat und schon kann eine Diskussion beginnen. Und so nehmen Sie auch schnell am Peer Review teil.

In meinen Augen wird man schnell etwas nachlässig im Umgang mit der Arbeit, weil man sich oft darauf verlässt, die “Qualitätsabteilung wird schon die Fehler finden”. Aber sollte man nicht selber den Anspruch haben, immer gute Arbeit abzuliefern? Ist es nicht deutlich billiger sich mit einem Kollegen über das Thema auszutauschen, als eine andere Instanz mögliche Fehler finden zu lassen? Ich denke schon.

Peer Reviews lassen sich für vieles einsetzen: Code, eine Dokumentation, Mockup’s oder irgendein Element bei dem es auf Korrektheit ankommt. Bei der Erstellung betrachte ich das Artefakt immer mit meinen Augen. Deshalb ist auch immer mein eigenes Domänenwissen mit im Spiel. Dieses Domänenwissen hat der andere aber nicht bzw. er schaut mit anderen Augen auf das zu prüfende Thema. Und genau das ist oft ausreichend, um ein Peer Review erfolgreich werden zu lassen.

Peer Reviews einführen

Für die erfolgreiche Durchführung von Peer Reviews müssen Manager lernen, wie diese Einfluss auf die Organisation haben. Für das Review müssen (wenn auf nur kurze) Zeiten in Plänen vorgesehen werden. Peer Reviews müssen kommuniziert und gelebt werden. Werden Peer Reviews nicht vorgelebt und eingefordert, werden sie auch nicht gemacht.  Bei den Personen, die Reviews durchführen sollen existieren oft Vorbehalte gegen das Inspizieren von der Arbeit anderer. Ein gern benutztes Argument ist sehr oft, dass Peer Reviews aus einem bestimmten Grund in der konkreten Situation nicht angewandt werden können. Es verhält sich also genauso, wie wenn Sie Prozesse, Vorgehensmodelle oder kurz, etwas Neues einführen wollen.

Hier müssen die Vorteile von Peer Reviews aufgezeigt und in eine Diskussion mit den Anwendern gegangen werden. In stark hierarchisch geprägten Unternehmen hilft das Einfordern durch Management oft schon eine Menge.

Peer Reviews sind keine Meilensteine!

Betrachten Sie bitte Peer Reviews nicht als Meilenstein. Ein Peer Review ist nicht der “Abschluss” von etwas, sondern ein durchgehender Prozess. Dieser findet immer wieder statt, während Arbeitspaket entstehen.

Peer Reviews stellen inhärente Qualität sicher!

Peer Reviews sind kostengünstig! Die Zeit von Kollegen, die einem Peer Review widmen ist deutlich billiger als Korrekturen kurz vor der Fertigstellung eines Produktes. Einfache Dinge und “Bäume, die man vor lauter Wald nicht sieht”, können so früh erkannt und korrigiert werden

Peer Reviews sind eine Frage der (Unternehmens-)Kultur!

Je nach dem wie Peer Reviews durchgeführt werden, so entwickelt sich dazu auch die Akzeptanz. Es ist immer etwas anderes zu sagen, wie “ich verstehe nicht, warum …” als wenn Sie fragen, “das hier ist bestimmt falsch, …”. Die Frage der Umsetzung ist also ganz entscheidend. Ob die Kultur nun im Unternehmen herrscht oder sich noch weiter fasst, auch hier wird unterschiedlich damit umgegangen, wie Menschen mit Fehlern umgehen.

About Sebastian Schneider

Sebastian Schneider hat Verkehrsinformatik und Praktische Informatik studiert, ist Scrum Product Owner, Scrum Master und Provisional Assessor. Als Process Consultant arbeitet er in den unterschiedlichsten Bereichen der Optimierung von Prozessen. Dabei interessieren ihn besonders Agile und Lean-Prozesse. Auf diesem Blog veröffentlicht er Artikel rund um seine Arbeitsgebiete und Schwerpunkte. Privat lernt er Japanisch, mag Android sowie Google und versucht sich an Open Source Projekten.

No comments yet.

Hinterlasse eine Antwort