Unternehmenskultur und Kulturraum
Vor dem Projektstart wird gerne ein entscheidender Multiplikator für den Erfolg eines Projektes vergessen, die Kultur. Innerhalb von Unternehmen gibt es zum einen die sogenannte Unternehmenskultur. Sie prägt gewisse Ansichten, Regeln und Normen innerhalb der Firma. Zum anderen gibt es bei internationalen, aber auch immer mehr nationalen, Projekten bei denen viele Personen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen arbeiten, den Kulturraum. Auf beide Kulturen gilt es Rücksicht zu nehmen und diese angemessen in das eigene Management für das Projekt zu integrieren.
Ich selber habe schon die Erfahrungen machen dürfen, dass so manche Veränderungen gegen eine bestehende Unternehmenskultur gar nicht so einfach durchzusetzen ist. Das liegt nicht generell daran, dass die geplante Veränderung nicht sinnvoll ist, sondern an dem fast schon bürokratischen Verhalten der Firma. Dabei spielen hier sehr viele Faktoren mit in diese Unternehmenskultur hinein:
- Angst vor Veränderung
Man weiß nicht ob Änderungen gut sind, und traut sich auch nicht wirklich etwas zu ändern. Der Status Quo wird lieber beibehalten als sich einen Schritt zu bewegen. - Angst vor Machtverlust
In hierachischen Strukuren wollen Mitarbeiter nur sehr ungerne Macht abgeben. Ist einmal eine Position erreicht, ist alles unter ihr nicht mehr akzeptabel. Vorgehen, die andere Wege als die direkte Hierachie in den Mittelpunkt rücken, werden misstrauisch beäugt. - Abgeschottete Arbeitsweisen
Spezialisierte Teams, die Wissen abschotten und nicht in einen Firmen-Lern-Prozess investieren.
Solche Verhaltensweisen sind auch ein “Killer” von Agilität. Es ist ersichtlich, dass diese beiden Kulturen eine besondere Aufmerksamkeit benötigen. Dazu müssen vor allem die Hintergründe für bestimmte Verhaltensweisen ermittelt werden. Arbeitet eine Person im Unternehmen schon lange an identischen Aufgaben, ist sie das gewöhnt. Nach einiger Zeit entwickelt sich daraus ein Trott, der aktiv beendet werden muss. Dabei ist nun wichtig, solche Personen zu erkennen und gezielt zu informieren, warum nun etwas anders gemacht wird. Es ist in der Regel keine negative Haltung gegenüberüber neuen Methoden sondern nur eine Informationslücke, die aktiv durch den Projektmanager geschlossen werden muss.
Dazu gibt es nun mehrere Möglichkeiten. Setzt man Agile Methoden wie bspw. Scrum ein, hat man die Möglichkeit durch das Daily Scrum solche Probleme schon aufzudecken und die Personen aktiv am Geschehen zu beteiligen. Nutzt man klassisches Projektmanagement sind entsprechende Verfahren zu implementieren um die Kommunikation aufrecht zu erhalten. Alleine mit der Verteilung von Aufgaben an die entsprechenden Mitarbeiter ist es nicht getan.
Am Kulturraum sind auch oft religiöse Verhalten anhängig. Kenntnisse der Kultur sind dann immer vorteilhaft und können bestimmte Verhalten erklären. Dabei sind die entsprechenden Personen sich keiner Schuld bewusst, da sie ja im Sinne ihrer Religion handeln. Auch hier ist ein pro-aktives Vorgehen wichtig. So kann der (auch private) Kontakt zu den Mitarbeitern aufgebaut und erweitert werden. Der Respekt, das Verständnis und die Akzeptanz der jeweiligen Kuturräume muss sichergestellt werden, ebenso wie die Kommunikation darüber. Es ist durch den Projektmanager zu erklären warum gewisse Randbedingungen eingehalten und so evtl. kulturelle Bräuche hinten angestellt werden müssen. Das muss bei den Personen verstanden sein und darf nicht nur als “Anweisung” kommen.
Wie so oft kommt es auf den gesamtheitlichen Informationsaustausch an, der unter allen Projektbeteiligten funktionieren muss. Der Aufwand mit anderen Kulturräumen erhöht diesen Informationsbedarf ungemein und darf auf keinen Fall unterschätzt werden.
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