Wird Social Media zur Pflicht?

In dieser Woche gibt es wieder ein sehr interessantes Thema beim Webmaster Friday: Es wird diskutiert ob Social Media ein Muss ist. Da ich auch viele Erfahrungen mit Social Media gemacht habe, lege ich hier einmal meine Sicht der Dinge dar.

Ich fasse als Social Media alles auf, was die Kommunikation zwischen Personen im Web2.0 (auch wenn viele den Begriff nicht mögen) angeht. Dazu zählen Empfehlungen, Kritiken, Blogartikel, Like Buttons oder kurze (wenn auch unsinnige) Nachrichten über Gott und die Welt.

Generell sehe ich Social Media als einen Teil der evolutionären Weiterentwicklung des Internets an sich. So haben wir früher Webseiten verlinkt und HTML Seiten gebastelt und nannten es Web1.0. Nun ist man einen Schritt weiter gegangen und agiert mit Webseiten, mit Benutzern, man kann asynchron mit Webservices kommunizieren. Das einzelne Inividuum ist im Internet plötzlich viel präsenter und kann zeigen was es mag (manches mal auch, was es nicht mag), äußert seine Meinung auf den eigenen Blog und twittert um die Wette, dass doch bitte alle Follower auf Facebook zum Fan werden sollen. Das nennen wir nun Web2.0

Irgendwann werden wir im Web3.0 stehen und ein Keyfact wird bestimmt die Semantik werden. Nach diesem kleinen Exkurs geht es nun um die zentrale Frage zu Social Media.

Social Media, was ist drin?

Social Media ist natürlich mittlerweile ein Masseninstrument geworden. Gut, ich könnte bei meinem Blog sicherlich darauf verzichten, da der Anteil von Social Media noch gering ist. Allerdings würde ich es auch merken und einige Trends nicht aufnehmen und für mich nutzen können.

Doch gerade bei Social Media ist mehr drin. Mehr deshalb, da sich Social Media Dienste zum Massenmedium etabliert haben. Facebook und Twitter machen es vor, Millionen User nutzen diese Dienste. Und genau ein Teil dieser User könnte auch das interessieren, was man selber zu schreiben hat. Es ist praktisch wie ein Schneeballsystem, was maches mal wirklich unerwartete positive Effekte mit sich bringt. Der einfachste und beste Fall ist die Verbreitung eigener Artikel oder die Steigerung des Bekanntheitsgrads vom Blog oder dem Produkt.

Auf welchem Blog findet man nicht die Angabe eines Twitteraccounts oder auch eine Fan Page oder Like Button bei Facebook? Hier und dort sieht man die Bitte um Verlinkung im Social Bookmark.

Firmen sind auch immer mehr auf Facebook vertreten und schaffen es oft auch gut, Twitter einzubinden. Wenn diese dann den aktiven und direkten Kundenkontakt bewältigt bekommen, dann kann das Social Media wirklich sehr hilfreich für das Unternehmen sein.

Natürlich kann man sich dem Social Media verschließen und nicht daran teilnehmen. Doch genau in dem Fall verschließt man sich einer Bewegung, die einfach vorhanden ist. Man vergibt die Chance auf ein paar neue Kontakte, neue Besucher, oder, wenn man geschäftlich unterwegs ist, vielleicht sogar die Chance auf ein paar neue Kunden. Die Entscheidung gegen Social Media sollte also sehr gut überlegt sein.

Welches Social Media für was?

Ob man generell alles oder nur ausgewähltes Social Media für die eigene Präsenz einsetzen will und sollte hängt – wie so oft – vom Zweck der Seiten ab.

Bei manchen Internetpräsenzen ist es einfach dieVerbindungen zu anderen Personen, ob Fansoder Follower. Durch die entsprechende Multiplizierung von wirklich guten Artikeln oder sonstigen Informationen, kann sich das als positiv auf die eigenen Besucherzahlen auswirken.

Doch auch für andere Zwecke bietet sich Social Media an. Hier nicht vorrangig um die Benutzerverbindungen, sondern schlicht um die Datenhaltung. So bieten sich verschiedene Portale an, um die eigens aufgezeichneten Videos (Youtube, etc.) zu speichern. Die letzten Präsentationen können mit Slideshare genau so wie auch Videos in die eigenen Webseiten eingebunden werden.

Ich gehe an der Stelle meistens so vor, dass ich auch nur die Dienste anbiete oder nutze, ich ich selber private auch benutzen kann.

Persönlich halte ich es auch gerne so, kurz zu beschreiben, wofür ich welchen Dienst nutze. Das erleichtert es auch jedem genau die Informationen zu greifen, die ihn auch wirklich interessieren.

Die kritische Masse

Das eigentlich wichtige ist nicht die Frage, ob Social Media zur Pflicht wird, sondern mehr ob die kritische Masse für ein Medium erreicht ist oder nicht. Wenn man sich die Nutzerzahlen von Facebook oder Twitter ansieht, dann kann man deutlich sagen: ja. Und die Frage ist letztendlich auch nicht mehr, ob man Social Media nutzen möchte, sondern, dass man es muss. Viele User benutzen gerade die Platzhirschen wie Facebook und Twitter, auch einige Social Bookmarkdienste. Was gefällt wird verteilt und anderen zugänglich gemacht. Damit hat der User eigentlich schon bestimmt, dass er Social Media mag. Jetzt kann man sich natürlich dagegen verwehren und sagen, Social Media benutzt man nicht – aber die Folgen sind dadurch nicht gerade gut. Man grenzt sich mit unter aus.

Allerdings kann man nach wie vor auch im Internet überleben, wenn man nicht auf Social Media setzt. Die Frage ist letztendlich ob man sich das erlauben kann oder nicht.

Und der Datenschutz?

Ich verfolge schon eine ganze Zeit die Diskussionen rund um das Thema Datenschutz auch bei Social Media Diensten, vorab natürlich Facebook.

Man stellt hier eine ganz interessante Entwicklung fest, nämlich die, dass es einige wenige Personen gibt, die das Thema Datenschutz wirklich sehr gut betrachten. Das sind überwiegend auch wieder in der Szene bekannte Blogs, und die machen ihren Job sehr gut. Dann gibt es auch unsere lieben Politiker, wo ich mir sehr oft denke, haben die eigentlich schon mal einen Browser gesehen?

Die dritte Menge ist dann aber auch genau die Masse, die sich über Datenschutz keine oder kaum Gedanken machen. Und genau auch die Menge verhilft den Social Media Netzwerken zu dem entsprechenden Durchbruch. Denn hier wird ohne große Gedanken alles verteilt. Besonders der folgende Artikel auf Blog Age zeigt dieses Handeln ohne Nachdenken. Man muss eben aufpassen, und dafür ist jeder selber verantwortlich und das ist keine generelle Frage des Datenschutzes. Natürlich sehe ich auch gewisse Vorgehen von Facebook etc. mit Skepsis an, keine Frage! Trotzdem fehlt den meisten Personen hier einfach eine Portion gesunder Menschenverstand, in dem man auch mal etwas der Plattformen hinterfragt.

Wenn ich eben mit Foursquare alle Positionen und meinen aktuellen Aufenthaltsort preisgebe, muss ich mich nicht über Bewegungsprofile oder gar Einbrüche wundern (wann gibt man Einbrechern die Chance besser zu sagen wann man nicht zu hause ist?). Das ist jetzt sehr konstruiert, aber trotzdem möglich. Und wer der kritischen Masse hat darüber nachgedacht? Ich denke nur wenige.

Fazit

Auch wenn für mich nur in geringem Umfang ein wirklicher Bonus durch Social Media herausspringt, bin ich doch der Meinung, dass ich dieses nicht mehr missen möchte. Der gewissenhafte Umgang mit diesen Diensten ist in meinen Augen wichtig und das A und O für den Erfolg oder Misserfolg. Ich probiere gerne mal neue Dienste aus und versuche diese dann in den Gesamtkontext meiner Aktivitäten einzuordnen. Ich benutze nicht alles und auch nichts direkt beruflich – es ist also mehr oder weniger Spaß und Bekanntmachung der eigenen Seiten, wenn daraus noch ein neuer Kontakt entsteht umso besser.

About Sebastian Schneider

Sebastian Schneider hat Verkehrsinformatik und Praktische Informatik studiert, ist Scrum Product Owner, Scrum Master und Provisional Assessor. Als Process Consultant arbeitet er in den unterschiedlichsten Bereichen der Optimierung von Prozessen. Dabei interessieren ihn besonders Agile und Lean-Prozesse. Auf diesem Blog veröffentlicht er Artikel rund um seine Arbeitsgebiete und Schwerpunkte. Privat lernt er Japanisch, mag Android sowie Google und versucht sich an Open Source Projekten.
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